Technische Analyse lebt von Mustern, Wahrscheinlichkeiten und Psychologie. Kaum ein Werkzeug ist dabei so beliebt – und gleichzeitig so mysteriös – wie das Fibonacci Retracement . Viele Trader schwören darauf, andere halten es für reine Selbsttäuschung. Aber was steckt wirklich dahinter? Warum reagieren Kurse immer wieder erstaunlich präzise auf diese Levels? Und wie kannst du Fibonacci sinnvoll in dein Trading integrieren?
In diesem Beitrag tauchen wir tief in die Welt der Fibonacci-Zahlen ein – von den mathematischen Ursprüngen bis zur praktischen Anwendung an echten Charts.
Ursprung: Wer war Fibonacci?
Der Name geht zurück auf Leonardo von Pisa , besser bekannt als Fibonacci. Er machte im 13. Jahrhundert in Europa eine Zahlenfolge bekannt, die zuvor vor allem in der arabischen Welt verwendet wurde:
0, 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89, …
Jede Zahl ist die Summe der beiden manuell. Besonders spannend wird es, wenn man die Zahlen zueinander ins Verhältnis setzt – daraus entsteht der berühmte Goldene Schnitt (ca. 1.618). Dieses Verhältnis taucht in der Natur, in der Architektur, in Kunstwerken – und laut vielen Marktteilnehmern auch in den Finanzmärkten – immer wieder auf.
Was ist ein Fibonacci-Retracement im Trading?
Ein Fibonacci-Retracement ist ein Werkzeug der technischen Analyse. Es hilft Tradern dabei, potenzielle Unterstützungs- und Widerstandszonen in einem laufenden Trend zu identifizieren.
Die gängigsten Fibonacci-Level sind:
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23,6 %
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38,2 %
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50 % (kein echter Fibonacci-Wert, aber psychologisch extrem wichtig)
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61,8 % (der berühmte Goldene Schnitt)
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78,6 %
Die Grundidee:
Nach einer starken Bewegung (z. B. ein Aufwärtstrend) korrigiert der Markt häufig einen Teil dieser Bewegung – und zwar oft in der Nähe dieser Prozentlevel – bevor der Trend weitergeht.
Warum funktionieren Fibonacci-Retracements überhaupt?
Ganz ehrlich: Fibonacci ist keine „magische Formel“, die Märkte steuert. Der Effekt entsteht vor allem durch Marktpsychologie :
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Viele Trader schauen auf denselben Levels
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Viele Algorithmen sind darauf programmiert
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Dadurch entstehen an diesen Zonen mehr Bestellungen
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→ Der Kurs reagiert sichtbar
Kurz gesagt: Fibonacci-Level funktionieren, weil genug Marktteilnehmer daran glauben .
Also zeichnest du ein Fibonacci-Retracement richtig
Die Anwendung ist einfach – der Fehler passiert am meisten bei der falschen Platzierung.
In einem Aufwärtstrend:
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Du ziehst das Tool vom Tiefpunkt zum Hochpunkt
In einem Abwärtstrend:
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Du ziehst es vom Hochpunkt zum Tiefpunkt
Die entstehenden Linien zeigen dir mögliche Zonen, in denen der Kurs korrigiert und anschließend weiterlaufen könnte.
Wichtig:
Fibonacci funktioniert am besten bei klaren Trends – nicht in Seitwärtsphasen (Ranges).
Typische Trading-Strategien mit Fibonacci
Hier ein paar bewährte Einsatzmöglichkeiten:
1. Trendfortsetzung handeln
Du warst, bis der Kurs auf ein Fibonacci-Level zurückläuft (z. B. 38,2 % oder 61,8 %) und suchst dort nach Einstiegs-Signalen (z. B. Candlestick-Pattern).
2. Confluence nutzen (Kombinationen)
Fibonacci-Level sind besonders stark, wenn sie sich überschneiden mit:
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horizontale Unterstützungs-/Widerstandszonen
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Trendlinien
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gleitenden Durchschnitten (z. B. 200 EMA)
Je mehr Faktoren aufeinandertreffen, desto interessanter wird das Level.
3. Stop-Loss und Take-Profit planen
Fibonacci hilft nicht nur beim Einstieg, sondern auch beim Exit:
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Stop-Loss leicht unter/über dem Level
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Take-Profit an vorgeschriebene Hochs/Tiefs oder Erweiterungen
Fibonacci-Retracement vs. Fibonacci-Extension
Retracements helfen dir bei Korrekturen im Trend .
Extensions dagegen zeigen dir mögliche Kursziele über das letzte Hoch/Tief hinaus (z. B. 161,8 %, 261,8 %).
Viele Trader kombinieren beides:
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Einstieg am Retracement
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Ziel an der Extension
Häufiger Fehler bei Fibonacci-Retracements
Ein paar Klassiker, die du vermeiden solltest:
❌ Fibonacci in Seitwärtsmärkten verwenden
❌ Jedes Level blind handeln
❌ Fibonacci ohne Bestätigungssignal nutzen
❌ Zu kleine Zeiteinheiten handeln (viel Marktrauschen)
Fibonacci ist ein Werkzeug , kein Orakel.
Funktioniert Fibonacci auf allen Märkten?
Ja – erstaunlicherweise ziemlich gut:
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Aktien
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Kryptowährungen
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Forex
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Indizes
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Rohstoffe
Besonders beliebt ist Fibonacci im Kryptomarkt, z. B. bei Bitcoin -Charts, da viele Retail-Trader stark visuell arbeiten und sich an bekannten Levels orientieren. (Kleiner Fun-Fact: In Krypto reagieren Märkte oft extremer auf Fibonacci-Zonen als in klassischen Aktienmärkten.)
Fazit: Mythos oder echtes Trading-Tool?
Fibonacci-Retracements sind kein „heiliger Gral“.
Aber sie sind ein starkes Struktur-Werkzeug , um chaotische Märkte lesbarer zu machen.
Richtig eingesetzt, mit:
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Sommer Trend
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Zusätzliche Bestätigung
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solidem Risikomanagement
… können sie dir helfen, deutlich bessere Ein- und Ausgänge zu finden.